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Moritz Klaßen

Moritz Klassen

Selbstständige 7 Min. Lesezeit

WordPress-Relaunch: Musst du alle Inhalte übernehmen?

Beim Relaunch liegt der größte Aufwand oft nicht im neuen Design, sondern in der Frage, was mit gewachsenen Seiten, PDFs und Sonderinhalten passiert. Eine Entscheidung pro URL verhindert, dass Altlasten ungeprüft umziehen oder wichtige Einstiegsseiten verschwinden.

Bei einem WordPress-Relaunch müssen alle alten Inhalte vollständig in die neue Website übernommen werden – diese Annahme hält sich hartnäckig, ist aber fachlich nicht sinnvoll. Du solltest nur Inhalte migrieren, die weiterhin eine konkrete Aufgabe erfüllen. Für jede bisher erreichbare URL brauchst du trotzdem eine bewusste Entscheidung.

Warum eine Komplettmigration selten die sichere Lösung ist

Alle Inhalte zu übernehmen wirkt zunächst risikoarm. Keine Seite wird vergessen, niemand muss lange diskutieren und die alte Website bleibt in der neuen wiedererkennbar. Tatsächlich verlagerst du damit viele ungeklärte Entscheidungen nur nach hinten.

Veraltete Leistungen stehen weiterhin zwischen aktuellen Angeboten. Mehrere Seiten beantworten dieselbe Frage. Alte PDFs bleiben öffentlich, obwohl ihre Ansprechpartner, Preise oder Bedingungen längst überholt sind. Texte aus einem früheren Page Builder landen als schwer bearbeitbare Fragmente im neuen System. Der Relaunch sieht dann moderner aus, übernimmt aber dieselbe Unordnung.

Umgekehrt ist radikales Löschen ebenfalls keine Strategie. Eine unscheinbare Unterseite kann regelmäßig qualifizierte Anfragen vorbereiten, als Ziel einer laufenden Kampagne dienen oder Kunden bei einer wiederkehrenden Supportfrage helfen. Wenige Seitenaufrufe bedeuten nicht automatisch, dass ein Inhalt wertlos ist.

Die sinnvolle Praxis liegt deshalb in einer Einzelentscheidung: Welche Funktion erfüllt der Inhalt künftig, und was soll mit seiner bisherigen URL passieren?

Trenne die Inhaltsfrage von der URL-Frage

Bei der Relaunch-Planung werden Inhalt und URL häufig als ein gemeinsames Paket betrachtet. Dabei sind es zwei getrennte Entscheidungen.

Ein Text kann vollständig neu geschrieben werden, während seine bisherige URL erhalten bleibt. Mehrere alte Texte können in einer neuen Seite aufgehen, während ihre URLs auf diese Seite weiterleiten. Ein Inhalt kann entfallen, obwohl seine URL wegen eines passenden Nachfolgers nicht einfach verschwinden sollte.

Diese Trennung verhindert zwei typische Fehler: Du bewahrst keinen schwachen Text nur wegen seiner bekannten Adresse auf, und du änderst keine funktionierende URL allein deshalb, weil sich Gestaltung oder Seitenstruktur ändern.

Beginne mit einem belastbaren Inhaltsinventar

Die Navigation der alten Website reicht als Bestandsaufnahme nicht aus. Dort erscheinen weder verwaiste Landingpages noch direkt verlinkte PDFs, ältere Beiträge oder Inhalte aus eigenen WordPress-Inhaltstypen.

Das Inventar sollte mindestens alle öffentlich erreichbaren Seiten und Beiträge enthalten. Je nach Website gehören außerdem folgende Elemente dazu:

  • Landingpages, die nicht in der Hauptnavigation stehen,
  • Leistungs-, Produkt- und Standortseiten,
  • Beiträge, Kategorien und andere Archivseiten,
  • öffentlich verlinkte PDFs und Downloads,
  • Formulare und deren Bestätigungsseiten,
  • eigene Inhaltstypen wie Referenzen, Veranstaltungen oder Stellenanzeigen,
  • rechtlich oder organisatorisch notwendige Seiten.

Lege für jede bisherige URL eine Zeile in einer gemeinsamen Tabelle an. Erfasse nicht sofort den gesamten Text. Für die Entscheidung genügen zunächst URL, Seitentyp, verantwortliche Person, bisherige Funktion und geplanter Umgang.

Damit wird aus der vagen Frage „Nehmen wir den alten Bereich noch mit?“ eine Reihe überschaubarer Entscheidungen. Das ist weniger feierlich als ein neues Designkonzept, spart aber spätere Überraschungen.

Bewerte jeden Inhalt anhand seiner künftigen Aufgabe

Historischer Aufwand ist kein ausreichender Grund für eine Übernahme. Auch ein langer Text, der vor Jahren teuer produziert wurde, kann heute fachlich überholt oder für das aktuelle Angebot bedeutungslos sein.

Beantworte für jeden Inhalt diese Fragen:

  • Hat der Inhalt weiterhin einen Zweck? Erklärt er eine aktuelle Leistung, beantwortet er eine konkrete Frage oder unterstützt er einen betrieblichen Ablauf?
  • Ist er fachlich noch korrekt? Stimmen Angebot, Ansprechpartner, Aussagen, Downloads und rechtliche Hinweise?
  • Wird er nachweisbar genutzt? Berücksichtige neben Webanalyse und Suchzugriffen auch Kampagnen, Supportantworten, Vertriebsunterlagen und direkte Kundenlinks.
  • Gibt es einen klaren Nachfolger? Vielleicht passt der Inhalt künftig als Abschnitt einer stärkeren Seite besser als auf eine eigene URL.
  • Kann jemand die Verantwortung übernehmen? Inhalte ohne fachlich zuständige Person altern nach dem Relaunch genauso zuverlässig wie davor.

Fehlen belastbare Nutzungsdaten, musst du nicht raten. Frage die Personen, die mit Interessenten, Kunden oder Bewerbern arbeiten. Eine selten besuchte Downloadseite kann für einen bestimmten Vorgang unverzichtbar sein. Solche Abhängigkeiten tauchen in der Navigation gewöhnlich nicht auf.

Vier sinnvolle Entscheidungen statt „mitnehmen oder löschen“

Unverändert übernehmen

Diese Entscheidung passt für aktuelle, korrekte und weiterhin benötigte Inhalte. „Unverändert“ bezieht sich auf die Aussage, nicht zwingend auf die technische Darstellung. Überschriften, Bilder und Inhaltsblöcke müssen möglicherweise an das neue Seitensystem angepasst werden.

Prüfe trotzdem Formulare, Downloads, interne Links und Kontaktdaten. Kopieren allein bestätigt noch nicht, dass ein Inhalt im neuen Umfeld funktioniert.

Überarbeiten und unter derselben URL behalten

Wenn Thema und Suchabsicht gleich bleiben, ist die bestehende URL häufig weiterhin passend. Du kannst Aufbau, Text und Gestaltung grundlegend erneuern, ohne die Adresse zu ändern.

Das ist besonders sinnvoll, wenn eine Seite bereits extern verlinkt, in Unterlagen genannt oder über Suchmaschinen auffindbar ist. Der Relaunch muss keine neue URL-Struktur erzwingen, nur weil das Menü anders aussieht.

Mit einem anderen Inhalt zusammenführen

Mehrere ähnliche Seiten entstehen oft über Jahre: eine allgemeine Leistungsseite, eine ältere Kampagnenseite und ein Beitrag mit fast derselben Erklärung. Wenn sie dieselbe Frage beantworten, kann eine gemeinsame, gepflegte Zielseite sinnvoller sein.

Die alten URLs erhalten dann eine permanente Weiterleitung auf den fachlich passenden Nachfolger. Entscheidend ist die inhaltliche Entsprechung. Eine Weiterleitung auf die Startseite hilft weder dem Besucher noch bei der internen Nachvollziehbarkeit.

Entfernen

Ein Inhalt darf entfallen, wenn er keinen aktuellen Zweck und keinen sinnvollen Nachfolger hat. Das betrifft beispielsweise abgelaufene Aktionen, überholte Leistungen oder versehentlich veröffentlichte Testseiten.

Existiert kein inhaltlich passendes Ziel, ist eine reguläre Nicht-gefunden-Antwort oder bei bewusst dauerhaft entfernten Inhalten ein Status 410 sauberer als eine beliebige Weiterleitung. Nicht jede alte Adresse muss zwanghaft irgendwohin führen.

Plane Weiterleitungen pro alter URL

Weiterleitungen sind kein pauschaler Schalter für den Moment der Veröffentlichung. Sie verbinden eine konkrete alte Adresse mit dem jeweils passenden neuen Ziel.

Für dauerhaft verschobene Inhalte ist eine permanente serverseitige Weiterleitung üblich. Die Dokumentation von Google zu Weiterleitungen beschreibt dafür insbesondere die Statuscodes 301 und 308.

Deine Weiterleitungsliste sollte mindestens die alte URL, die neue Ziel-URL und den Grund für die Zuordnung enthalten. So lässt sich vor der Veröffentlichung prüfen, ob das Ziel wirklich existiert und fachlich passt.

Vermeide Ketten, bei denen eine alte URL zunächst auf eine zweite alte URL und erst danach auf das aktuelle Ziel verweist. Trage direkt das endgültige Ziel ein. Das hält die Zuordnung verständlich und reduziert unnötige Zwischenschritte.

WordPress-Inhalte bestehen aus mehr als sichtbarem Text

Bei der eigentlichen Migration zeigt sich häufig, dass eine Seite technisch aus mehreren Bestandteilen besteht. Neben dem Text können benutzerdefinierte Felder, Beitragsbilder, Galerien, Formulare, SEO-Angaben, eingebettete Medien oder Shortcodes dazugehören. Shortcodes sind Platzhalter in eckigen Klammern, die WordPress oder ein Plugin beim Aufruf in Funktionen und Ausgaben umwandelt.

Wenn das alte Plugin oder der bisherige Page Builder im neuen System fehlt, bleibt von einem kopierten Inhalt unter Umständen nur der Platzhalter übrig. Deshalb sollte die Migrationsentscheidung auch festlegen, in welches neue Format der Inhalt überführt wird.

Praktisch sind drei getrennte Angaben:

  • Inhaltliches Ergebnis: übernehmen, überarbeiten, zusammenführen oder entfernen,
  • technisches Zielformat: normale WordPress-Blöcke, strukturierte Felder, Formular oder Download,
  • URL-Ergebnis: behalten, permanent weiterleiten oder entfallen lassen.

Damit verhinderst du, dass technische Bequemlichkeit die redaktionelle Entscheidung übernimmt. Eine Datenbankkopie ist schnell durchgeführt, aber sie macht aus einem alten Inhaltsmodell noch kein gutes neues.

So organisierst du die Abstimmung ohne endlose Inhaltsrunden

Die Bewertung funktioniert am besten, wenn nicht jede Person über jede Seite entscheidet. Weise Inhaltsgruppen den fachlich zuständigen Personen zu: Leistungen an die jeweilige Fachabteilung, Bewerbungsinhalte an die Personalverantwortlichen und rechtliche Texte an die dafür zuständige Stelle.

Für jede URL sollte genau eine Person die Entscheidung freigeben. Kommentare und Rückfragen dürfen von mehreren Beteiligten kommen, die Verantwortung sollte jedoch eindeutig bleiben. Andernfalls erreicht die Tabelle einen Zustand, den WordPress selbst nicht kennt: „Vielleicht veröffentlicht“.

Arbeite zuerst die eindeutigen Fälle ab. Aktuelle Kernseiten können übernommen, klar veraltete Kampagnen entfernt werden. Danach bleiben die Seiten übrig, bei denen fachliche oder geschäftliche Abhängigkeiten geklärt werden müssen. So wird die Diskussion kleiner, statt alle Inhalte gleichzeitig in eine Grundsatzdebatte zu ziehen.

Wann die Inhaltsentscheidung abgeschlossen ist

Ein Inhaltsinventar ist nicht fertig, sobald jede Zeile farbig markiert wurde. Vor dem Relaunch sollten die Entscheidungen ausführbar sein.

  • Jede bisherige öffentliche URL hat einen festgelegten Umgang.
  • Für übernommene Inhalte stehen Zielformat und verantwortliche Person fest.
  • Zu überarbeitende Seiten haben einen geklärten fachlichen Auftrag.
  • Zusammengeführte Inhalte besitzen ein eindeutiges Ziel.
  • Weiterleitungen zeigen auf vorhandene, passende URLs.
  • Downloads, Formulare und Bestätigungsseiten wurden ausdrücklich berücksichtigt.

Erst dann lässt sich der technische Migrationsaufwand realistisch einschätzen. Hundert alte Seiten können leicht zu übertragen, aber schwer zu prüfen sein. Wenige komplexe Inhalte mit Formularen, strukturierten Daten und Downloads können deutlich mehr Arbeit verursachen. Die reine Anzahl sagt wenig aus.

Der Relaunch braucht Entscheidungen, keine digitale Lagerhalle

Du musst bei einem WordPress-Relaunch nicht alle alten Inhalte übernehmen. Du musst jedoch für jeden relevanten Inhalt und jede bisher erreichbare URL festlegen, was künftig damit geschieht.

Die tragfähige Reihenfolge lautet: Bestand erfassen, künftige Aufgabe bewerten, inhaltliche Entscheidung treffen, URL-Verhalten festlegen und erst danach die technische Migration planen. So bleibt Wertvolles erreichbar, Überholtes zieht nicht ungeprüft mit um und die neue Website startet mit einem Bestand, den dein Team tatsächlich pflegen kann.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet, damit du schneller einschätzen kannst, was für dein Projekt wichtig ist.

Muss ich bei einem WordPress-Relaunch alle alten Seiten übernehmen?

Nein. Übernimm Inhalte, die weiterhin eine fachliche oder geschäftliche Aufgabe erfüllen. Für jede alte URL solltest du jedoch festlegen, ob sie bestehen bleibt, weitergeleitet wird oder entfällt.

Sollte sich die URL ändern, wenn ich einen Inhalt neu schreibe?

Nicht automatisch. Wenn Thema und Zweck der Seite gleich bleiben, kannst du den Inhalt vollständig überarbeiten und die bisherige URL behalten.

Wohin leite ich gelöschte WordPress-Seiten weiter?

Leite sie auf einen inhaltlich passenden Nachfolger weiter. Gibt es kein sinnvolles Ziel, ist eine Nicht-gefunden-Antwort oder bei bewusst dauerhaft entfernten Inhalten ein Status 410 meist sauberer als eine Weiterleitung auf die Startseite.

Welche Inhalte werden bei einer WordPress-Migration leicht vergessen?

Häufig fehlen verwaiste Landingpages, PDFs, Formulare, Bestätigungsseiten, eigene Inhaltstypen sowie Inhalte aus benutzerdefinierten Feldern oder alten Shortcodes.

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