Der WordPress-Block-Editor ist mächtig. Manchmal ein bisschen zu mächtig. Wer nur eine Leistungsseite, einen Blogbeitrag oder eine einfache Landingpage pflegen möchte, braucht selten drei verschiedene Quote-Blöcke, fünf Layout-Experimente und noch irgendeinen Block, dessen Icon aussieht wie ein Sandwichmaker.
Für Unternehmer, Agenturen und Selbstständige ist das kein kosmetisches Problem. Ein überladener Editor kostet Zeit, erzeugt Rückfragen und führt dazu, dass Seiten nach einigen Monaten aussehen, als hätten mehrere Menschen mit sehr unterschiedlichen Tagesformen daran gearbeitet.
Die gute Nachricht: Du kannst den Block-Editor schnell aufräumen. Ohne Relaunch. Ohne neues Theme. Und ohne direkt alle Plugins in den digitalen Keller zu werfen.
Die Idee: weniger Auswahl, bessere Inhalte
Der schnelle Fix besteht darin, nur die Blöcke sichtbar bzw. nutzbar zu machen, die im Alltag wirklich gebraucht werden. Das ist keine Bevormundung, sondern ein Geländer. Gute Redakteure brauchen keinen riesigen Werkzeugkoffer, wenn sie eigendlich nur einen Text, ein Bild und einen Button einfügen wollen.
Das passt auch zur Entwicklung im WordPress-Core: Für WordPress 7.1 wurde laut Make WordPress Core eine Änderung gemerged, durch die der Classic Block standardmäßig nicht mehr im Block-Inserter angezeigt wird. Wichtig: Der Block bleibt registriert, bestehende Inhalte funktionieren weiter. Es geht also genau um diesen Ansatz: aufräumen, ohne Altbestand zu zerstören. Mehr dazu steht im offiziellen Hinweis: Hiding the Classic block from the inserter in WordPress 7.1.
Wann dieser Hack besonders sinnvoll ist
- Kunden-Websites: Redakteure sollen Inhalte pflegen, aber nicht versehentlich das Layout zerlegen.
- Agentur-Projekte: Wiederkehrende Setups sollen schneller und sauberer ausgerollt werden.
- Unternehmensseiten: Mehrere Mitarbeitende arbeiten an Inhalten und sollen ein einheitliches Ergebnis erzeugen.
- Eigene Website: Du willst dich beim Schreiben nicht jedes Mal durch einen Block-Supermarkt klicken.
Schritt 1: Das sinnvolle Block-Set definieren
Bevor du technisch etwas änderst, mach eine kleine Bestandsaufnahme. Welche Blöcke werden wirklich gebraucht?
Für viele normale Seiten reicht als Standart-Set zum Beispiel:
- Absatz
- Überschrift
- Liste
- Bild
- Galerie
- Buttons
- Spalten oder Gruppe, wenn Layouts redaktionell gebaut werden sollen
- Einbettungen, falls Videos oder externe Inhalte genutzt werden
- Trenner oder Abstandshalter, falls das Design sie vorsieht
Alles andere ist nicht automatisch schlecht. Aber wenn ein Block in 95 Prozent der Fälle nicht gebraucht wird, muss er nicht prominent im Alltag herumstehen.
Schritt 2: Der No-Code-Fix für einzelne Nutzer
Wenn du nur deine eigene Arbeitsumgebung aufräumen willst, starte im Editor selbst. Im Block-Editor lassen sich je nach WordPress-Version und Setup über die Einstellungen bzw. Voreinstellungen sichtbare Blöcke reduzieren. Das ist der sanfteste Weg, weil du nichts am System änderst.
Der Nachteil: Diese Einstellung ist in der Regel nutzerbezogen. Für eine Agentur oder ein Team ist das also eher ein Pflaster als eine saubere Lösung. Aber für Selbstständige, die ihre eigene Website pflegen, ist es oft schon genug.
Schritt 3: Der robuste Fix per Code
Wenn du ein Projekt dauerhaft aufräumen möchtest, kannst du die erlaubten Blöcke zentral festlegen. Das geht über den WordPress-Filter allowed_block_types_all. Der Vorteil: Der Editor zeigt nur noch die Blöcke, die du freigibst.
Wichtig vorab: Packe so etwas nicht leichtfertig in ein beliebiges Theme, das beim nächsten Update überschrieben wird. Besser ist ein Child Theme oder ein kleines projektspezifisches Plugin. Bei Agenturen bietet sich häufig ein MU-Plugin an.
Ein einfaches Beispiel sieht inhaltlich so aus:
add_filter('allowed_block_types_all', function($allowed_blocks, $editor_context) { if (!empty($editor_context->post) && $editor_context->post->post_type === 'post') { return array('core/paragraph','core/heading','core/list','core/image','core/gallery','core/quote','core/buttons','core/separator','core/spacer','core/embed'); } return $allowed_blocks; }, 10, 2);Was passiert hier? Für Beiträge werden nur die genannten Core-Blöcke erlaubt. Für andere Inhaltstypen bleibt alles wie vorher. Das ist praktisch, wenn Beiträge eher schlicht bleiben sollen, Seiten aber weiterhin flexible Layouts brauchen.
Schritt 4: Für Seiten anders denken als für Beiträge
Ein häufiger Fehler: Man reduziert alle Inhaltstypen gleich stark. Das klingt ordentlich, wird aber schnell nervig.
Beiträge brauchen meist Struktur: Überschrift, Text, Bild, Liste, Zitat. Seiten brauchen oft mehr Layout: Gruppen, Spalten, Buttons, vielleicht Vorlagenblöcke oder eigene Blöcke aus einem Page-Builder-ähnlichen Setup.
Ein sinnvoller Ansatz:
- Beiträge: stark reduzieren, damit die Redaktion fokussiert bleibt.
- Seiten: etwas mehr erlauben, aber nur die Blöcke, die zum Designsystem passen.
- Landingpages: entweder mit Patterns arbeiten oder nur geschulte Nutzer freigeben.
Schritt 5: Nicht deregistrieren, wenn verstecken reicht
Viele möchten Blöcke komplett entfernen. Das ist verständlich, aber nicht immer klug. Wenn alte Inhalte einen Block bereits verwenden, kann ein hartes Entfernen Probleme verursachen oder zumindest unschöne Editor-Meldungen auslösen.
Deshalb ist die bessere Faustregel: Erst die Auswahl im Editor einschränken. Nicht sofort alles aus dem System reißen. Der Classic-Block-Hinweis aus dem WordPress-Core zeigt genau diese Richtung: aus dem Inserter raus, aber technisch weiterhin vorhanden.
Mini-Workflow für Agenturen
Wenn du mehrere Kunden-Websites betreust, lohnt sich ein wiederverwendbarer Ablauf:
- Block-Liste pro Projekttyp erstellen: Blog, Unternehmensseite, Landingpage, Shop.
- Freigaben mit Design abgleichen: Was passt wirklich zum Layout und zur Marke?
- Code in ein kleines Plugin auslagern: Nicht jedes Mal neu in der functions.php herumwerkeln.
- Redaktion kurz einweisen: Zehn Minuten reichen oft. Was ist erlaubt, warum ist es erlaubt, wann wird nachgefragt?
- Nach vier Wochen prüfen: Fehlt wirklich etwas oder war die Reduktion ausreichend?
Dieser Ablauf ist unspektakulär, aber sehr wirksam. Und unspektakulär ist bei Kundenprojekten oft ein Kompliment.
Typische Fehler bei diesem Fix
- Zu radikal starten: Wenn plötzlich wichtige Blöcke fehlen, wirkt der Editor kaputt. Lieber klein anfangen.
- Plugin-Blöcke vergessen: Kontaktformulare, SEO-Elemente oder Shop-Blöcke können eigene Blocknamen haben.
- Keine Testumgebung nutzen: Ein kurzer Test auf Staging spart später hektische Mails.
- Redakteure nicht informieren: Wenn Blöcke verschwinden, sollte klar sein, dass das Absicht ist.
- Bestehende Inhalte ignorieren: Vorher prüfen, welche Blöcke bereits im Einsatz sind.
Wie du vorhandene Blöcke prüfst
Für kleine Websites reicht oft ein manueller Blick in typische Seiten und Beiträge. Bei größeren Projekten kann es sinnvoll sein, die Datenbank oder Exportdateien nach Block-Kommentaren zu durchsuchen. WordPress speichert Block-Inhalte im Beitragstext mit Markierungen wie wp:paragraph oder wp:image.
Du musst dafür nicht gleich ein Analysemonster bauen. Eine simple Stichprobe zeigt meistens schon, ob exotische Blöcke im Einsatz sind. Wenn du auf alte Layout-Experimente stößt: nicht schimpfen. Damals war es bestimmt eine sehr gute Idee. Wahrscheinlich.
Wann du besser keinen Block-Hack machst
Es gibt Fälle, in denen dieser Fix nicht passt:
- Die Website wird stark über Full Site Editing und flexible Templates gepflegt.
- Mehrere Teams nutzen bewusst unterschiedliche Blöcke für unterschiedliche Zwecke.
- Ein Plugin erzeugt wichtige Blöcke, deren Namen noch nicht dokumentiert sind.
- Es gibt keinen klaren Verantwortlichen für Design und Inhalte.
Dann solltest du erst Struktur schaffen: Rollen, Vorlagen, Patterns, kurze Inhaltsregeln. Technik löst keine redaktionelle Unklarheit. Sie macht sie nur schneller sichtbar.
Fazit: Ein aufgeräumter Editor ist ein kleiner Produktivitätsgewinn
Der Block-Editor muss nicht alles anzeigen, was er kann. Für viele Unternehmen und Agenturprojekte ist weniger Auswahl die bessere Arbeitsumgebung. Inhalte werden konsistenter, Rückfragen nehmen ab und die Website bleibt näher am vorgesehenen Design.
Der beste Teil: Du kannst klein starten. Erst prüfen, dann ein sinnvolles Block-Set definieren, dann optional per Code begrenzen. Kein großer Umbau, kein Drama. Nur ein bisschen digitale Schreibtischordnung – und die tut WordPress erstaunlich gut.
